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Wie mein Schreibtisch zum Kleiderschrank wird

Vize Miss Salzburg Alexandra Prodinger erzählt von ihrem Arbeitsalltag als Miss

Schärpe und Cocktailkleid kommen in der Früh mit ins Büro!

Noch einmal gehe ich meine Checkliste durch, bevor ich das Haus morgens verlasse: Kleid, High Heels, Schärpe, Terminkalender. Wo geht es hin? Auf eine Party, ein Interview oder bin ich etwa auf eine Eröffnung eingeladen? Die riesengroße Tasche ist zu einem treuen Begleiter geworden und landet sanft auf dem Beifahrersitz. Man möchte es kaum glauben, aber ich fahre jetzt ins Büro. Ja, du liest richtig. Eine Miss zu sein bedeutet nicht, nonstop einen bestimmten Lifestyle zu genießen und den ganzen Tag Shootings zu haben, schließlich läuft der Alltag parallel dazu ungebremst weiter. Bestimmt quillt mein Posteingang bereits über und gleichzeitig freue ich mich schon auf eine Tasse Kaffee.

Ich bin ein kreativer Mensch und ein Job wie dieser war schon immer mein Traum. Manchmal stelle ich es mir heimlich vor, was für eine miserable Buchhalterin ich doch wäre oder wie unglücklich ich in einer Bank oder Versicherungsagentur sein müsste. Bestimmt sind das attraktive Berufe, keine Frage – aber nicht für mich. Fakt ist, wir kreativen Menschen können das einfach nicht und Gott hat uns zur Entschädigung für unsere chaotischen Züge mit einem wundervollen Talent gesegnet. Und ich LIEBE es.

Die größte Herausforderung in meinem Beruf ist es, auf Knopfdruck inspiriert sein zu „müssen“. Soeben erreicht mich der Auftrag für ein Corporate Design. Das ist Alltag und das Ergebnis soll natürlich den Kunden vom Hocker reißen, unabhängig von meiner Tagesverfassung. Noch schnell ein Kaffee und ran an die Arbeit!

Endlich glühen die Stifte und ich überlege mir Schritt für Schritt was dieses Unternehmen ausmacht, welche Farben sein Angebot am besten repräsentieren und welches Image vermittelt werden soll. Sobald mein Schreibtisch mit allen möglichen Farben, Notizen, Skizzen aber auch zerknüllten Zetteln übersät ist, fühle ich mich fantastisch! Oft der Verzweiflung nahe, stopfe ich einige Exemplare davon wieder energisch in den Papierkorb oder fege die Stifte trotzig zur Seite. Manchmal klappt es nicht auf Anhieb, aber „aufgeben“ existiert in diesem Beruf nicht. Es ist immer ein emotionaler Entstehungsprozess und am Ende ist da etwas Ähnliches, wie eine Beziehung zum fertigen Ergebnis. Es handelt sich niemals um ein „Ding“, welches ich einfach nur schaffe weil es mein Job ist – ich mache es gerne und jeder Auftrag ist am Ende ein Werk von mir. Etwas wozu ich stehe, wie ein Künstler zu seinem Gemälde. Mein Job ist meine Passion!

Im Anschluss geht es an die Präsentationsvorbereitung. Briefpapier, Visitenkarten, Kuverts – wie würde es aussehen, wenn sich die erdachte Struktur quer durch die Firmendrucksorten zieht? Nach der Präsentation vor dem Kunden folgt jedes Mal noch das Hoffen, den Nerv auch getroffen zu haben. In diesem Fall: eine Punktlandung – PERFEKT!

Falls es für jemanden jetzt so klingt, als ob das doch ein entspannter Tag  sein muss, wenn man „ein paar Logos malt“ und sich mit den Farbspektren spielt; ob Blau und Orange harmonieren können, oder es besser wäre, einmal Pink zu verwenden weil Gelb erst letzte Woche dran war: der irrt gewaltig. So viel Emotion geht gewaltig an die Substanz und kostet viel (positive) Energie! 😉

Meine große Tasche begleitet mich jetzt kurz zum Umziehen, denn der Arbeitstag neigt sich dem Ende zu. Schnell ins ausgewählte Kleid und die geliebten Heels, ein kurzer Blick in den Spiegel und schon sitze ich im Auto. Vor mir ca. hundert Kilometer grauer Asphalt Richtung Salzburg. Die Vorfreude auf den nächsten Termin als Vize Miss Salzburg übertrifft die Monotonie der Autofahrt und entschlossen drehe ich die Musik lauter. Achtung auf der A10 Tauernautobahn – Alex ist im Anflug!